Yamantaka, der Buddha, der dem Tod  begegnen kann und überlebt

 

Arsenicum album, die Angst vor dem Tod und der strenge Richter -

Erfahrungen mit der Arznei von Dr. med. Johannes Latzel

Musik, die zur Arznei passt:

Dies Irae 2 bis 1.20 -Tag es Zorns, aus der Messa a Requiem von Giuseppe Verdi

Peer Gynt, Aases Tod

Felix Mendelssohn- Bartholdy  und heißt:  Denn er hat seinen Engel befohlen....

 

Filmbeispiele:

Der Name der Rose

Die Szene der Gerichtsverhandlung in "Die Geschwister Scholl"

Oliver Twist

Richterszene im Film " Der Glöckner von Notre Dame"

Einige klassischen Symptome des klassischen Arzneimittelbildes von Arsenicum Album :

A - Angst
R - Ruhelosigkeit
S - Schwäche
E - Eile
N- nächtliche Verschlimmerung

Weitere Leitsymtome:
Angst mit Unruhe - die Angst treibt sie andauernd, die Lage zu verändern.
Bewegung lindert aber ihre Angst und ihre sonstigen Beschwerden nicht
* Angst um andere - vor allem Angst um die, von denen er abhängig ist
Sieht auf leidend aus, blaß, fahl, oft blaue Lippen, hippokratisches Gesicht, Augen  sind oft eingesunken, oft Säckchen unter den Augen
Brennende Schmerzen wie von glühenden Kohlen
Durst auf kleine Mengen
Nur spärliche Absonderungen
Verschlimmerung durch Kälte, fröstelig, obwohl das Gesicht heiß ist

Gemüt:

Liebt Regeln, Autorität und Disziplin - liebt Autoritäten, weil sie ihm Sicherheit geben, und gleichzeitig fürchtet er sie, weil sie ihn kritisieren könnten.
Sie sind sehr besitzergreifend, haben mit  der Zeit und viel Fleiß Besitz angehäuft, hängen dann sehr daran und fürchten  ständig, dass ihnen jemand ihren Besitz wieder wegnimmt ( Rubrik Geiz). Sie können Sammelleidenschaften entwickeln und regelrecht habsüchtig sein.
Angst vor Krebs und anderen Krankheiten- brauchen immer wieder die Bestätigung, keinen Krebs zu haben. Im fortgeschrittenen Stadium denkt er ständig an den Tod
Wunsch nach Perfektion, Ordnung, unsinnige Genauigkeit, pedantisch. Im Kleiderschrank ist alles unglaublich akurat. Können schwere Zwangsvorstellungen in bezug auf Schmutz und Bakterien entwickeln.
Kritisch, hohe Ansprüche an sich und andere, verachten Menschen, die ihren Ansprüchen nicht genügen, regelrecht tadelsüchtig
Periodische Beschwerden
Tendenz zur Anorexie nervosa
Tiefsitzende Unsicherheit, Sicherheitsmaßnahmen spielen eine große Rolle
Macht sich abhängig von anderen Menschen, die ihm das Gefühl von Sicherheit zu geben versprechen. Er kann nicht allein sein.
* Angst vor der Vergänglichkeit

Modalitäten:
Schlimmer:
*Empfindlich auf Kälte, auf kalte Speisen und Getränke
*13-14 Uhr und 1-2 Uhr nachts
*verdorbene Nahrung ( Fleisch, Fisch)
*Alleinsein
*Alkohol

Besser:
*Hitze, trotz brennender Schmerzen
*Gesellschaft
*Frische Luft, hat den Impuls zu laufen

Verlangen:
*Olivenöl
*Alkohol

Abneigung
*Obst
*Blähende Speisen
*Süßigkeiten

Beispiele bewährter Indikationen
*Akute Gastroenteritis mit Erbrechen.Schon der  Anblick oder Geruch von Essen kann extreme Übelkeit verursachen. Durchfall nach Eis oder kalten Getränken oder Obst
Allergien und besonders Nahrungsallergien ( Milch, Gluten, Kaffee, Tabak)
Juckende, brennende Hautausschläge
Risse in den Fußsohlen
Erkältet sich sehr schnell
* Erschöpfung und Schwäche
* Asthma, besonders bei Kindern ( Thuja)
* Magenschmerzen mit Angst, die im Magen empfunden wird
* Unwillkürlicher Harnabgang, Enuresis
* Arthritische Entzündung der Gelenke mit Schwellungen der Füße
* Krebs
* Arrythmien mit schnellem, schwachen, unregelmäßigen Puls
* Begleitung von Sterbeprozessen, Todesangst
* Angst vor dem Tod

* Tiefe Angst und Depression

* Angst vor dem Weiblichen

* Zwanghaftigkeit

Soweit ein kurzer Überblick über das  klassische Arzneimmittelbild bzw. einige häufige Erkennungszeichen von Krankheitsbildern, die mit Arsenicum Album homöopathisch behandelt werden können. Es gibt noch sehr viele weitere Krankheitsbilder, Arsen ist eine Arznei, die schon Millionen von Menschen geholfen hat.

 

Qualitäten von Arsen-Patienten

 

Bei Arsen-Patienten  lässt sich eine eine große Fähigkeit beobachten, Zusammenhänge herzustellen und neue Ordnungen und Systeme zu finden, insbesondere auch durch neue Ordnungen Dinge zu verbinden, die bislang unverbunden waren.
In genialer Ausprägung haben das Menschen wie Bönnighausen  James Tylor Kent  getan. Bönnighausen verband die neuen Ideen Hahnemanns mit dem neuen  empirischen und exakt naturwissenschaftlichen Denken des 19. Jahrhunderts und schuf so eine Homöopathie, die einfach praktikabel und lehrbar wurde. Kent verband Psychologie, Spiritualität und Homöopathie miteinander.
In neuerer Zeit   verkörpern diese arsenische Qualitäten  zum Beispiel Jon Kabbat Zinn, der wissenschaftliches Denken und Buddhismus, Spiritualität und Medizin  in neuer Weise verbindet,  oder  Bert Hellinger, der schamanistische Praktiken aus Afrika mit humanistischer Psychologie und christliches Weltbild zu einer Synthese bringt; ebenso Willigis Jäger , der Zen und Christentum verbindet, oder , Hammeed Almaas, der  mit seinem Diamond Approach eine neue Synthese aus wissenschaftlicher Psychologie und  der Weisheit verschiedener  spirituellen Traditionen geschaffen hat.

 

Einige Gemütssymptome von Arsenicum album

Wie ein roter Faden begleitet den Arsen-Patienten oder die Arzen Patientin die unterschwellig das ganze Leben beherrschende Angst vor dem Tod, oder zumindest die Angst vor einem nahen Verwandten des Todes, die Angst vor dem Chaos.
In gewissem Sinne ist das Leben des Arsen-Patienten vom Versuch geprägt, sein Leben zu retten und  sich vor dem Untergang  zu bewahren dadurch, dass er versucht, eine sichere, strenge Ordnung zu schaffen.

Die Angst vor der Vernichtung hat im Arsen-Patienten eine innerseelsiche Instanzt entstehen lassen, unter der er furchtbar leiden kann: Ein überaus strenges Über-Ich, einen über alles vernünftige Maß anspruchsvollen inneren Tyrannen.
Damit ist eine meist unbewusste innere Stimme gemeinst, die in einer unangemessen aggressiven Weise alles bewertet, was der Patient erlebt, und die in keinster Weise hilfreich oder verständig, sondern massiv destruktiv ist -  eine Stimme, die es geradezu liebt, zu nörgeln, zu meckern, zu kritisieren - an den anderen, an den Umständen, an der Zeit, an der Gesellschaft - vor allem aber am Patienten selbst; eine Stimme, die dem Patienten in bestimmten Situationen  innerhalb von Sekunden das Gefühl geben kann, er seien nichts wert,  er hätte nicht gut genug getan, hätte wieder mal versagt,  hätte wieder mal alles falsch gemacht und würde es sowieso nie richtig machen.

Neue Strömungen in der humanistischen Psychologie ordnen solche inneren Stimmen einer Instanz in der Psyche zu, den sie "der Innere Richter "nennen. Der innere Richter  ist erkannbar daran, dass man sich falsch, abgewertet und schuldig fühlet, wenn man ihn hört.

Er spricht innerlich Sätze wie:

Schon wieder hast du einen Fehler gemacht !
Alle anderen sind besser als du!
Du bringst es einfach nicht hin !
Du bist zu blöd dazu !
Das wird sowieso wieder schief gehen
Niemand wird dir helfen.
Alle werden sie gegen dich sein
Du hast keine Chance !
Du bist unmöglich.
Du bist viel schlechter als alle anderen

 

In manchen Filmen wird diese innere Stimme meisterhaft äußerlich personifiziert:
Im Film "Sophie Scholl" wird in der Gerichtsverhandlung gegen die Geschwister Scholl der Richter von einem Schauspieler gespielt, der es meisterhaft versteht, die absolute Negativität zu verkörpern, die ein Richter haben kann, der in keinster Weise auf die tatsächliche Situation eingeht, sondern von vorgefassten Meinungen und Vorurteilen her verurteilt.
Im Film "Oliver Twist" gibt es eine Szene, in der das halbverhungerste Waisenkind im Waisenhaus um etwas mehr Essen bittet- der gütige Herr, der das Haus leitet, und die gütigen alten Frauen, die ihm helfen, werden auf der Stelle zu Teufeln und schlagen in blinder Wut auf den Armen ein. Wie konnte er es wagen, so etwas zu fragen?
Im Film " Der Glöckner von Notre Dame" wir der Bucklige ( Charles Laughton) von einem Richter verurteilt, der völlig uninteressiert am tatsächlichen Sachverhalt sein Urteil aus Gewohnheit und aus verletzten Emotionen heraus fällt.

Der spirituelle Lehrer und Psychotherapeut Hameed Almaas sagt über das Über-Ich bzw. den inneren Richter:
"Die Tiefenpsychologie hat uns gezeigt, dass wir einen Teil unserer selbst stets dahin entwickeln, die Rolle des inneren Gewissens- traditionell des Über-Ich- zu übernehmen. Doch diese Ich-Struktur, dieses Gewissen, fusst hauptsächlich auf der Identifikation mit dem urteilenden, kritischen, anklagenden und strafenden Umfeld, im dem wir aufwachsen. Es wird zu einem harten Richter und einer grausamen Strafinstanz, anstatt das Licht des wahren Bewusstseins zu verkörpern. Gewöhnlich entwickelt es ich zu einem rigiden Anteil unsres Verstandes, der unflexible Befehle und Regeln verkörpert und der Realität gegenüber taub ist.
Das Über-Ich wird zu einer der Hauptquellen inneren Leidens durch niedrigen Selbstwert, Schuld, Scham, Entwertung und Selbstvorwürfen.
Neben dem alles durchdringenden inneren Leiden, welches er in unserem Erleben verursacht, erschweren  die Starrheit und Urteile des inneren Kritikers den tiefern inneren Kontakt zu uns selbst."

Das strenge Über-Ich, der innere Richter oder der innere Kritiker-  alles drei synonym verwendete Begriffe- werden in der tiefenpsychologisch-spirituellen Schule von Almaas nicht als Problem einiger weniger neurotisch Kranker gesehen, sondern als ein Phänomen, mit dem jeder Mensch zu kämpfen hat, und das im kollektiven Unbewussten gerade unserer Kultur zutiefst verwurzelt ist.

Im Buch die Befreiung vom inneren Richter von Byron Brown wird der innere Richter so definiert:
"Der Richter ist diejenige Kraft in ihnen, die ihren Wert als menschliches Wesen unablässig berechnet, abschätzt, und damit ihre Fähigkeit einschränkt, im gegenwärtigen Moment voll und ganz lebendig zu sein.
Er hat sich in jedem Menschen im Laufe der Entwicklung ausprägt .  Er bleibt meist unbewusst oder weitgehend unbewusst und behindert massiv die Fähigkeit, im Augenblick angemessen auf das Leben einzugehen. Er kann enorm destruktiv sein, insbesondere dann, wenn sie unbewusst bleibt.
Ihn zu erkennen und sich in einer langen inneren Arbeit von ihr zu befreien, wird als notwendiger Schritt auf jedem spirituellen Leben angesehen, das auf Freiheit ausgerichet ist."

Das Konzept des inneren Richters geht zurück auf Sigmund Freuds Struktur-Modell. In diesem Modell unterscheidet Freud zwischen drei Instanzen, dem Es, dem Ich und dem Über-Ich.

Dabei entspricht das Es all unsere Triebe, Verlangen nach Vergnügen, Wünsche und Lust. Es ist der älteste Teil des menschlichen Geistes, der animalische Teil, der durch den Instinkt angetrieben wird, die primären, ursprünglichen Bedürfnisse zu erfüllen.
Das Ich hat die Aufgabe, diese Triebe des Es zu kontrollieren, diese Triebe gegenüber der Realität abzuwägen und sowohl für eine Überprüfung einer gesunden Balance zwischen innerer und äußerer Realität zu sorgen, als auch zwischen den Bedürfnissen des Es und den Forderungen und Maßstäben des Über-Ichs zu vermitteln. I
In seinem Buch "Das Ich und das Es" (2003) liefert  Freud eine  Metapher über die Beziehung zwischen Es und Ich:
Das Es ist wie ein Pferd, das sehr stark und kraftvoll ist und oft seine ganz eigenen Wünsche zu Bedürfnisse hat. Das Ich ist wie der Reiter, der bemüht ist, die überlegene Kraft des Pferdes in Zaum zu halten.
Das Ich ist auch die Instanz, die die  bewussten Erfahrungen  macht und das Denken formt darüber, wer und was der Mensch ist.

Das Über-Ich ist eine Art  innere moralische Instanz.
Man kann sie sich vorstellen als die verinnerlichten Eltern und andere Autoritätsfiguren. Es bildet eine Art Gewissen, aber es ist nicht das natürliche, echte Gewissen, das mit der Seele in Kontakt ist, mit Gott oder dem Universum. Es ist ein falsches Gewissen, das aus übernommenen Wertmaßstäben der Vergangenheit stammt und  das in Wirklichkeit einen sehr destruktiven Einfluss auf uns haben kann.

Das Über-Ich besteht aus all unseren moralischen Normen, all unseren Glaubensmustern, geistigen Haltungen, Urteilen, Idealen, Vorurteilen sowie emotionalen Neigungen, die der Mensch von seinen Eltern und anderen nahen Bezugspersonen von Kindheit an übernommen habt.

Für Freud war es ein wertvoller und notwendiger Teil, dessen Aufgabe es ist, sicherzustellen, dass die Menschen sich moralisch und verantwortungsvoll benehmen. Das Über-Ich erreicht dies dadurch, indem es das Es kontrolliert, das sonst – so die Vorstellung Freuds – seine unakzeptablen Triebe skrupellos ausagieren würde.

In der neuen humanistischen Psychologie wird das Über-Ich weniger als ein wertvoller Teil gesehen, sondern als etwas, das transformiert werden muss, damit man der Gegenwart wirklich gerecht werden kann.

Bei vielen Autoren und in der Sprache Byron Browns wird dieses Über-Ich innerer Richter genannt.
Der innere Richter macht sich in unterschiedlichen Formen bemerkbar.
Die verbreitetsten sind innere Stimmen (Gedanken), die unsere Gedanken und unser Verhalten kommentieren und verunglimpfen.
Manchmal wird er nicht als innere Stimme wahrgenommen, sondern als negatives Gefühl wie zum Beispiel Schuldgefühle, Kummer, oder Wut und Ärger.
Man hört dann keine innere Stimme, die etwas Negatives sagt, und ist sich auch  gar keiner negativen Gedanken bewusst, und doch wirkt etwas auf die Seele ein, das die Stimmung in vernichtender Weise herunterzieht und verdunkelt.
Dies  ist vielleicht dadurch erklärbar , dass der innere Richter schon  in einem Entwicklungsstadium entstanden ist, als das Kind noch nicht sprechen konnte..
Es hat sich vielleicht Eltern oder andere Autoriäten  gegenüber  auf eine Weise verhalten, die ihnen heftig missfallen hat. Diese haben  dann  dem Kind gegenüber, da es noch nicht sprechen konnte,  nur auf nonverbale Weise ausgedrückt: Sie haben dem Kind  gegenüber ohne Worte,  vielleicht nur durch böse Blicke oder eine strenge Stimme oder Stirnrunzeln ausgedrückt, das es in ihren Augen nicht richtig war.

In der Almaas-Schule wird der oft unbewusste  Angriff der inneren Richters als Über-Ich Attacke bezeichnet. Die kann oft nur dadurch  wahrgenommen werden, dass wir uns schlecht fühlen, ohne, dass wir uns  der zugrunde liegenden verbalen oder gedanklichen  Einstellung , die uns da angreift, bewusst geworden sind. Dieser Angriff erfolgt meistens in Sekundenbruchteilen vor dem schlechten Gefühl.

Es gibt dann einen noch schwieriger zu erkennenden Teil des inneren Richters
Manchmal  kann dies die gemeinste Variante des Richters sein, weil er sich dabei versteckt und verkleidet als wäre er unser guter Freund und intelligenter und weiser Helfer oder gutmeinender Ratgeber. Er kann die Stimme sein, die uns immer nur lobt und Komplimente verteilt und uns bestätigt, dass wir die Dinge genau richtig gemacht haben -
 die dann aber umso verbissener auf uns einschlägt, wenn wir es  einmal nicht  genauso machen, wir sie meint, dass wir es machen sollten.

Die Wirkung des inneren Richters ist vor allem abgrundtiefes Schuldgefühl und Angst. Bei vielen Angstpatienten ist der grösste Teil der  Angst nicht die Furcht vor etwas Äußerem, das man fassen könnte, sondern die oft unheimlich ungreifbare Angst vor dem eigenen Über-Ich.
Und aus dieser Angst entstehen in uns zwanghafte Gedanken, Gefühle und Verhaltensmuster, und aus dem Versuch, die Angst zu unterdrücken, wiederum Depressionen.

Eine Ausdrucksform des inneren Richters ist das Vergleichen.
Oft, wenn wir uns mit anderen Vergleichen, ist der innere Richter aktiv: „Er macht das besser als ich“ oder „Ich kann das besser als er“ und so weiter. Solche Vergleiche schließen oft schon ein, dass wir nicht gut genug sind oder sein könnten, nicht wert genug, richtig genug und so fort.

Üblicherweise sind wir vollkommen mit dem inneren Richter identifiziert, sodass wir gar nicht bemerken, dass es sich in Wirklichkeit um die verinnerlichte Stimme eines unserer Elternteile oder einer sonstigen bedeutsamen Person in unserem Leben handelt.

Soweit eine kurze Beschreibung des Phänomens innerer Richter. Wer sich damit mehr auseinandersetzen möchte, dem kann  das Buch von Byron Brown: "Die Befreiung vom inneren Richter" empfohlen werden.

Fallbeispiele:

*Eine Patientin kommt zu mir, die unter schwerster Dysmenorrhoe leidet, und dies schon seit 10 Jahren. Sie berichtet von einem scharfen Stechen bei der Regel, das vom Darm auszugehen scheint, und das zum After und zur Scheide zieht.  In der Gegend des rechten Eierstocks hat sie manchmal brennende Schmerzen.
Sie ist wissenschaftlich tätig und hat sehr hohe Ansprüche an sich. In der  Arbeit muss alles absolut korrekt ablaufen, Fehler dürfen nicht passieren. Das Privatleben kommt zu kurz, außer Arbeit gibt es nicht viel in ihrem Leben. Ich nehme wahr, dass sie sehr hart und streng mit sich umgeht.
Ich gebe ihr Arsenicum Album in aufsteigenden Reihen. Nach einigen Monaten ist die Dysmenorrhoe völlig verschwunden, und ist nehme wahr, dass sie weicher mit sich geworden ist und sich ab und zu etwas Schönes gönnt.

*Ein  Patient kommt zu mir mit recht schweren Depressionen und dem Gefühl, dass er seiner Arbeit nicht mehr gewachsen ist. Aus dem Gespräch entnehme ich, dass er sehr hohe Ansprüche an sich stellt und es kaum verwinden kann, dass er viele Dinge nicht so geschickt wie seine Arbeitskollegen erledigen kann.
Er hat angstvolle Alpträume und Schlafstörungen, oft erwacht er in der Nacht und kann nicht mehr einschlafen. Seine Unruhe ist nachts manchmal so stark, dass er stundenlange Nachtwanderungen unternimmt, wobei er sich immer im beleuchteten Areal aufhält und schreckliche Angst bekommt, wenn er einmal in eine Polizeikontrolle gerät, obwohl er ja seinen Ausweis bei sich trägt und sich noch nie etwas hat zuschulden kommen lassen.
Er leidet unter immer wiederkehrenden Magenschmerzen und bekommt  nach dem Essen und nach kalten Getränken sehr schnell Durchfall, ebenso von Obst.
Ich gebe ihm Arsenicum Album in aufsteigenden Reihen. Schon nach wenigen Tagen berichtet er, dass er endlich wieder schlafen könne. In den nächsten Wochen beginnt er sich zunehmend zu entspannen. Er berichtet bei den nächsten Konsultationen, wie sich nach und nach seine Beziehung zu seiner Arbeit verändert, in dem  liebevoller und freundlicher mit sich umgeht, er immer mehr seine Schwächen und Stärken erkennt. Es gelingt ihm, seine Arbeit so umzuorganisieren, dass er er das ständige Gefühl des Ungenügens verliert und mehr und mehr Freude an seiner Arbeit findet.

*Ein Patient kommt zu mir, der durch seine außerordentliche Korrektheit in der Kleidung und in der Sprache auffällt. Er leidet vor allem unter einer sozialen Phobie - er kann nicht unter Leute gehen und lebt völlig einsam. Dabei ist er ein hochsensibler und intelligenter Mann, und wäre ich eine Frau, würde ich ihn auch als attraktiv bezeichnen.
Im Gespräch fällt mir vor allem auf, wie selbstkritisch er ist und wie hoch die Anforderungen sind, die er an sich stellt. Sein Vater war sehr streng, seine Mutter offenbar recht labil.
Er erhält Arsenicum Album in aufsteigenden Potenzen. Daraufhin geschieht etwas Seltsames: Er entwickelt an den Armen einen Hautauschlag mit Krusten, die fast 2 cm dick werden.
Er hat solche Hautausschläge nie zuvor gehabt, nur als Kind habe er etwas mit der Haut gehabt, aber das wisse er nicht mehr.
Ich ermutige ihn, nicht zum Hautarzt zugehen, sondern weiter die Wirkung von Arsen zu beobachten. Die Hautausschläge verschwinden in den nächsten   Wochen. Nach einigen Monaten berichtet er, dass er eine wundervolle Partnerin gefunden habe und mit ihr glücklich sei.
*Der Richter mit der Spätzosterneuralgie.


Der Heilungsprozess von Arsenicum album

Das Wesentliche in der gelungenen Auseinandersetzung  mit dem inneren Richter beschreibt Byron Brown so:
"Die zentrale Praxis dieses Prozesses besteht darin, zu ihrem Erleben ihrer selbst in diesem jeweiligen Augenblick zurückzukehren.."

Dafür sind gerade beim Arsen-Patienten unter anderem Körperübungen wie Yoga,Tai-Chi oder auch einfach Fitnessstudios sehr hilfreich, wobei im Fitnessstudio die Gefahr besteht, dass der Arseniker auch dort wieder zu viel Leistung von sich verlangt und sich dort einen Schaden durch Überanstrengung zuzieht..

Alle spirituellen Wege versuchen zur Gegenwart zurückzuführen.
Wenn allerdings Arsen-Patienten auf einen spirituellen Weg gehen, dann neigen sie  oft dazu, sich strengen Lehrern anzuschließen oder sehr hart Disziplinen wie Zen oder Kampfsport zu üben, ohne zu spüren, wenn es ihnen nicht gut tut.
Sie profitieren sehr davon, wenn sie  sich Lehrern zuwenden, die viel Mitgefühl und Freundlichkeit entwickelt haben, und wenn sie solche Übungen praktizieren, die ihnen unmittelbar gut tun. Alles das tut gut, was wirklich in die Gegenwart zurückführt.
Im ganz in diesem Augenblick anwesend sein - hört das Werten und Urteilen auf: Wir können nicht nicht wirklich präsent sein und gleichhzeitig werten, weil alles Werten ein Bezugnehmen auf die Vergangenheit ist.

Freundliche Aufmerksamkeit auf den Augenblick löst den inneren Richter  nach und nach auf bzw . verwandelt ihn in eine Kraft, die dafür sorgt, dass  mehr und mehr Gegenwärtigkeit aufgebaut und aufrechterhalten werden kann.
Der Richter wandelt sich in die Fähigkeit, in der Gegenwart zu sein, zu sehen, was ist, und mitfühlend zu sein. Oder, wie es Byron Brown beschreibt: Wo Erwartungen und Normen das Regiment geführt haben, können jetzt Offenheit und Gewährenlassen ihren Einzug halten.

Es entwicklet sich  die Fähigkeit des Unterscheidungsvermögens. Unterscheiden zu können ist etwas anderes als bewerten und urteilen. Im Bewerten  wirdd eine zustimmende  oder ablehnende Haltung eingenommen. Im Unterscheiden werden die Dinge gesehen, wie sie wirklich sind.

Die Unterscheidung, die im Zusammenhang mit dem inneren Richter besonders relevant ist, ist die Unterscheidung zwischen einem Seelenzustand, der von Aggressivität und Kritik sich selbst gegenüber geprägt ist - und einem Zustand der Selbstakzeptanz, der Weite, Lebendigkeit, Geborgenheit.  Der Patient lernt bewusst wahrzunehmen,
ob sich die Seele wie ein Polizeistaat anfühlt - oder wie ein Land, in dem sich alle Bewohner wohlwollend und freundlich unterstützen. Wenn  diese Seelenzustände mit einem bestimmten Grad an Bewusstheit klar gesehen werden , wird die Seele von selbst immer mehr das loslassen, was ihr nicht gut tut, und sich dem zuwenden, was sie nährt.

Die Befreiung vom inneren Richter ist  ein langer Prozess, der Übungspraxis braucht und die Gemeinschaft mit anderen Menschen.
Byron Brown  meint sogar, dass dieser Prozess der Loslösung aus der Selbstverurteilung ein lebenslanger ist. Er schreibt dazu:

"Die schlichte Einsicht, wie hart und intolerant man mit sich selbst umgehen kann, ist schon extrem unbequem. Doch diesen Teil seiner selbst bloss zu stellen und zu erforschen bedeutet auch, die Grundannahmen über die eigenen Kindheitsentwicklung und -Erziehung sowie über die Gesellschaft, in der man lebt, infrage zu stellen. Das kann bedeuten, Prioritäten zu setzen, die zu denen der Familie, Freunde und Kollegen im Gegensatz stehen-und das ist alleine kaum zu schaffen."

Die vorhin erwähnten bekannten Persönlichkeiten haben deshalb für sich Formen der Praxis entwickelt, in denen sie gemeinsam mit anderen Menschen ständig Unterscheidungsvermögen, Gegenwärtigkeit  und Mitgefühl üben konnten:
Klemens Bönninghausen und James Tylor  Kent das genaue Beobachten in der Homöopathie, Bert Hellinger die Aufstellungsarbeit, Jon Kabbat Zinn das MBSR-Achtsamkeitstraining, Willigis Jäger die kontemplative Mediation, Hameed Almaas die Selbsterforschung.

Diese Techniken können alle helfen, dass die Begegnung mit dem inneren Richter und schließlich vielleicht sogar die Befreiung vom inneren Richter gelingt.

Byron Brown beschreibt die Befreiung vom inneren Richter  in seinem Buch zusammenfassend so:
"Die innere Entwicklung verlangt, dass es mit der Zeit keine inneren Instanzen mehr gibt, die Gewalt ausüben.
Statt dessen reift eine innere Regulierung, die auf objektiver Wahrnehmung, Verstehen und Liebe basiert."

 

 

 

Christus,

der Weltenrichter,

der aus der Macht

aller Richter befreit